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Historische Grenzsteine und Felsmarchen

zwischen dem Klostergericht Benediktbeuern und dem Landgericht Tölz

 

(schöne  Wander- und BikeZiele)

© Jost Gudelius, Jachenau-Raut, 2003

Stand: 30. Juni 2011

 

Grenzen legen Besitz, Einfluss- und Machtbereiche fest, sie trennen Territorien und sie binden gleichzeitig die Grenznachbarn in ein besonderes Interessenverhältnis.

Das Kloster Buron/Benediktbeuern, als „alpenstrategischer“ Stützpunkt und „Kommandozentrale“ zum Schutz der Zu- und Übergänge ins Gebirge von Karl Martell um 725/728 gegründet [1], ist im Jahr 955 von den Ungarn zerstört worden. Nach 76 Jahren, im Jahr 1031 wurde es mit Personal und Hilfe des Klosters Tegernsee wiederbegründet. Um 1055 fertigte der Mönch Gottschalk den „Rotulus historicus Benedictoburanus[1][2], einen aufgerollten Pergamentstreifen (8 Fuß lang, 10 Zoll breit), mit der Absicht, nach der Zerstörung und Wiederbegründung des Klosters dessen Geschichte und Besitz schriftlich festzuhalten. In diesem Rotulus wird die Ostgrenze des Klosterterritoriums auf der Linie Südende Starnberger See - Isar bei Tölz - entlang der Isar bis Wallgau angegeben[2][3].

250 Jahre später, beginnend mit den Benediktbeurer Traditionen  aus der Zeit um 1285 wird bis zur Säkularisation 1803 der Verlauf der Ostgrenze auf dem Gebirgskamm westlich der Isar, also vom Blomberg über die Benediktenwand, das Jachental querend und weiter über die Höhen bis zum Wilfetsbach, dem heutigen Staffelgraben beschrieben. Von dort folgt die Grenze wie ehedem dem Lauf der Isar bis vor Wallgau[3][4]. Diese damalige Grenzführung hat sich bis in die Gegenwart erhalten, stimmt sie doch weitgehend mit den derzeitigen Gemarkungsgrenzen der Gemeinden überein.

Das Wald- und Almgelände westlich der Isar bis hoch auf den Kamm des Gebirges war von jeher Interessengebiet der Isarwinkler Bevölkerung. Es wurde von Osten her gerodet, sein Holzreichtum genutzt und als Almgelände beansprucht. Bei den Grenzstreitigkeiten zwischen dem Kloster Benediktbeuern und dem Isarwinkel handelte es sich folglich in erster Linie um Holzschlags-, Weide- und Jagdrechte. Das Kloster verteidigte nur mühsam seine Grenzen gegen die zudringlichen Isarwinkler. Und die bayerischen Herzöge neigten als Schiedsrichter gerne dazu, ihren unmittelbaren Untertanen im Isarwinkel Zugeständnisse auf Kosten des Kloster einzuräumen.

Es ist kein Wunder, dass diese wichtigen Verhandlungen und ihre Ergebnisse in der Regel schriftlich festgehalten und in Archiven sorgsam aufbewahrt wurden. Die Grenzbeschreibungen aus den Jahren 1332, 1372, 1454, 1497, 1584, 1653, 1720, 1772 und 1839 für weite Strecken der Grenze zwischen dem Kloster und dem Isarwinkel existieren teilweise noch heute im Bayerischen Hauptstaatsarchiv.   

Ein Beispiel dafür ist  der

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  "Vertrag mitt Herzog Albrecht von des Holzschlags wegen im Iserwinkl"

BayHStA Kl. Benediktbeuern 174 vom 4.Oktober 1497.

In vorliegender Dokumentation wird der Grenzabschnitt zwischen dem Stallauer Weiher[4][5] im Norden und dem Staffelgraben im Süden behandelt. Auf dieser Linie sind  an rund 16 Stellen noch heute die alten Felsmärcher und Marchsteine aus den Zeiten von 1497 bis 1774 im Gelände vorhanden. Sie markieren gleichzeitig die uralte Gaugrenze zwischen dem Huosigau im Westen und dem Sundergau im Osten, den Bistümern Augsburg und Freising  sowie zwischen dem Klostergericht Benediktbeuern[5][6] und dem Land- und Pflegegericht Tölz[6][7].

Historischer Grenzverlauf

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auf der Karte von Apian aus dem Jahr 1568

auf die Karte von heute übertragen

Das Kloster Benediktbeuern hatte sich von den weltlichen Herren immer wieder seine Grenze bestätigen lassen. So durch Kaiser Friedrich III. (1440-93) im Jahre 1454. Der Wortlaut dieser Grenz- und Grundbeschreibung, sie soll mit ihren Privilegien auf Kaiser Ludwig  den Bayern (1332) zurückgehen, lautet: 

„ Wir Fridericus von gottes gnaden ... bekene und thon kunt offentlich mit disem brieve, ... das der ersam Wilhalm abt des gotzhaus zu sant benedicten peurn, ... Item von dem wilden graben uber den langenperg, vom dem lengenperg enhalb der puchaw uber den puchperg in den nagelpach und von dem nagelpach ostenhalben bis an den planberg und von dem planberg pis in das ostergaden und von dem ostergaden in gossenhofen, ostenhalben pis in die Murnaw und von der Murnaw in das gepürg gehaissen weng und osterleutten, von dem selben gepürg entrichs wegs uber das land egk bis in die rigel und auß den rigeln in den schranpach und von dem schranpach bis an den valckenstain hie dishalb der yser pis auf das Veld gen Walgau, von Walgau pis gen prugckles lain, von pruckleslain pis uber den varchenperg, von dem varchenperg bis gen joch in den kochelsee,  ...

Mit urkunnt die brieffs versigelt mit unserm kayserlichen majestat anhangenden insigel.

Geben zu der newenstat am erchtag nach san katharein tag, Nach christi geüurt vierzehenhundert und im vierundfunffigsten jar (2. November 1454), Unsers reichs im funntzehenden, und des kayserthumb im dritten Jar.“

Die Beschreibung von 1372 geht vom Stallauer Weiher nach Norden über den Buchberg bis zur Rottach und dann nach Westen bis zur Loisach bei Nantesbuch

Im Vertrag von 1497 wird der südliche Teil beschrieben zwischen dem Stallauer Weihe und dem Langen Eck oberhalb des Jachentals. Eine besondere Kennzeichnung der Grenze wird damals noch nicht erwähnt. Dies änderte sich mit dem Befehl Herzog Wilhelms vom 12. August 1584, der verlangte, dass steinerne Säulen gesetzt werden, auf denen auf der einen Seite das bayerische Wappen und auf der Gegenseite das Klosterwappen, die gekreuzten Abtstäbe, einzuhauen waren.

In dem "Verzeichnis der Märcher" von 1584 werden die Grenzsteine in ihrer Lage und Ausstattung noch genauer dargestellt. Die Beschreibung umfasst das Gelände zwischen der "Hohen Wurtz" (vermutlich im Bereich der Gossenhofer Alm, westlich Wackersberg) über die Benediktenwand bis zum Staffelgraben am heutigen Sylvensteinspeicher. Dabei heißt es immer wieder: " . . .sind beider Herren Wappen ... der Abtstab sambt dem Hebscheidt verzeichnet."

Auf den folgenden Kartenausschnitten zeigt die violette Linie den heutigen Verlauf der Gemeindegrenzen; er ist bis auf das Stück zwischen Murnerbach und Hennenköpfl/Probstenwand identisch mit der mindestens 700 Jahre alten Grenze zwischen dem Kloster Benediktbeuern und dem Isarwinkel.

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Lage der Grenzsteine zwischen Stallauer Weiher und Rotöhrsattel

 

 

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 Der Grenzstein am Nagelbach (zeitweise auch  „Tölzer Bach“),

 ca. 200 m südlich des Stallauer Weihers

Er  zeigt auf seiner Ostseite eine sehr „schlichte“ Form des „Hebscheidts“. Die Westseite trägt den doppelten Krummstab des Klosters Benediktbeuern

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Am Zwiesel/Plattl (Nähe Blomberg) habe ich im Frühjahr 2003 ca. 12Meter abseits der Grenze, im Sumpf und Lettendreck liegend einen mächtigen, alten Grenzstein  gefunden; seit dem 3. August 2003 ist er mit Hilfe von Sandra und Andreas aus München geborgen und in die Nähe seines alten Platzes gekugelt worden. Am 9. Juni 2004 hat mir Karl Kremser aus Königsdorf geholfen, den Stein in der unmittelbaren Nähe seines alten Standortes aufzurichten; allerdings hatten wir die Seiten falsch zugeordnet. Deshalb wurde am 29. April 2007 der Stein mit Hilfe von freundlichen Wanderern erneut gesetzt und in die richtige Richtung gedreht - Abtstab des Klosters nach Westen, Hebscheidt des Isarwinkels nach Osten.

Der Stein stammt wohl aus dem Jahr 1584,  als Herzog Wilhelm die Aufstellung steinerner Marchsäulen anordnete. Sowohl das „Hebscheidt“ wie auch ein Krummstab der früher doppelten Abtstäbe sind zu erkennen; ebenso „C“ und  darunter „B“ für das Kloster Benediktbeuern.

In einer Grenzbeschreibung von 1746 wird der Stein schon einmal als „umgefallen“ notiert.

Deutlicher erkennbar sind  "KW" (Königlicher Wald) auf der einen Seite und auf der anderen die Nummer des Steins "919", vor ca. 165 Jahren (1839) angebracht

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Grenzstein am "Plattl" von Westen und Osten

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Hauptmarch am Steinbach/Murnerbach, links unterhalb des vorletzten Wehrs der Reihe der neuen, aber vom Augusthochwasser 2005 schon wieder sehr ramponierten Wildbachverbauungen.

Dieser Grenzstein hat viele Besonderheiten. Er wurde „gemarcht“, als die Isarwinkler  wieder einmal nach heftigen Protesten ihren Einflussbereich nach Westen ausdehnten und ihnen weitere Waldteile - das „Beurer Teil“ -  des Klosters zugeschlagen wurden.

Die Darstellung des „Hebscheidts“ ist auf diesem Stein mit zwei Querstrichen und drei Kreisen am aufwendigsten.

Derjenige, der 1772 die Jahreszahl in den Sandsteinfelsen schlug, versah die „1“ mit einem nicht entzifferbaren, persönlichen Schnörkel.

Der Stein wäre im Jahr 2002  fast in einer Verbauung zum Hochwasserschutz verschwunden. Doch zufällige gegenseitige Informationen von Kennern der Grenzsteine und gemeinsame Bemühungen gegenüber dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim  führten zum Erhalt dieses schönen Bodendenkmals. So waren neben den Initiatoren auch die vor Ort arbeitenden Männer des Flussbaustelle Lenggries – alle sehr heimat- und erdverbunden – glücklich über diese Entscheidung. Für Georg Dosch von Wegscheid, Vorarbeiter auf der Baustelle,  war es eine Freude, die positive Entscheidung in die Tat umsetzen, was ihm dann auch in besonders schöner Weise gelungen ist.

 

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Dieser Grenzstein ist ein Beispiel dafür, dass man sich nicht in die Irre führen lassen darf. Kein historischer Grenzstein, kein doppelter Krummstab des Klosters, sondern Hammer und Pickel auf einem künstlichen Stein aus Beton. Er trennt zwei private Waldteile ostwärts der Niggl-Alm, oberhalb der Waldherrnalm bei Wackersberg.

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Das March auf dem Gipfel des Vogelkopf, früher (1584) St. Jörgenberg

Schöner, reich beschrifteter Grenzstein auf dem Vogelkopf, im Jahr 1584 St. Jörgenberg und 1746 Vogeleck, westlich oberhalb der Melchersteffl Alm. Oben in der Mitte ein Kreuz als Grenzmarkierung. 

Jahreszahlen: 1584, 1653, 1715, 1772. Zwei unterschiedliche Darstellungen des "Hebscheidts" und der doppelten Abtstäbe.

Auf dem kahlen Gipfel des Ahornkopf/Acherkopf,  zwischen Probstenwand und Längenbergalm stand ebenfalls ein alter Grenzstein als bedeutsames „Hauptmarch“, das 1497 schon eindeutig beschrieben war. Doch  wurde der Stein vor ca. 10 bis 20 Jahren von heute bereuenden "Hüatabuam" die steilen Flanken hinabgekugelt.

Eine anfangs überlegte Suchaktion erscheint wegen der Unübersichtlichkeit des steilen Geländes und der Masse der dort liegenden Felsen wenig erfolgreich zu sein.

 

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Die alte Grenzmarkierung am Hennenköpfl (südseitig, am Fuß des Gipfelaufbaus)  scheint beim Anbringen der Markierung von 1839 entfernt worden zu sein. "KW" steht für "Königlicher Wald"  und  "MF"  für "Militärfohlenhof", der nach der Säkularisation im Kloster BB eingerichtet worden war. 

 

 

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Grenzmarkierung von 1839 "in der Tiefen Grub" - am Rotöhrsattel, wenige Meter links (östlich) der Gedenktafel für Max Höfler. 

Auch hier scheint das alte March von 1584 entfernt worden zu sein. Dafür hat sich der Steinmetz mit seinem Namen verewigt.

 

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Lage der Grenzsteine zwischen Beigenstein und Seibertsgraben/Staffelgraben

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Grenzmarkierung an der „gescheibten Wand“ auf der Südseite des  Beigenstein bzw. an der Ostgrenze der Vorderen Scharnitzalm.  Die „5“ der Jahreszahl 1584 ist teilweise verwittert. Die weißen Balken kennzeichnen die heutige Forstgrenze.

 

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Der zimmergroße Grenzstein im Schwarzenbach, 300 m westlich des Hüttenflecks, auf dem neben Heidelbeersträuchern sogar Fichten wachsen, liegt im Scheitelpunkt einer ausgeprägten Rechtskurve des Schwarzenbaches. In der Beschreibung vom 3. September 1699 heißt es:  „... Hauptmarch im Schwarzenbach in dem großen Stain, worin der Abbtstab und die Jahrzahl 1584  wie auch des Landgerichts Signum nit mehr voll sichtig, aber die Jahrzahl 1653.“

 

 

Detailaufnahme des Grenzsteins im Schwarzenbach

Dieses Felsmarch war ein bis zwei Jahrhunderte in Vergessenheit geraten und zugewachsen. In der Grenzbeschreibung des Steuerdistriktes Jachenau von 1808 ist es genannt. Aber bei der Uraufnahme des Bayerischen Kartenwerks um 1815 wurde es nicht berücksichtigt.

Der Stein liegt auf dem orographisch rechten Ufer des Schwarzenbaches. Die heutige Grenze verläuft ca. 50 m westlich davon auf dem linken Ufer. Ich folgte der Beschreibung von 1497,  fand und befreite den riesigen Stein von seinem dicken Bewuchs und entdeckte seine wunderbar erhaltene Geschichte.

 

Hier folgt das 19. March, das Hauptmarch auf dem Langen Eck mit einem Ausschnitt aus dem Verzeichnis von 1584, der Transkription des Textes und einem Foto des großen Grenzsteins

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Das 19. ist ein Hauptmarch zu hegst auf dem

Lange Eck: daselbs ist in ein Zwislte Tannen

der Abtenstab sambt dem Hebscheidt eingehackt,

Und von dannen ein wenig herab in der seitten

gegen der Jachenau seindt auch baider Herren

Wappen sambt der Jarzall 1584 in einem

grossen Stain verzeichnett

 

 

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Das 19. Hauptmarch auf dem über 2 Meter hohen Grenzstein auf dem Langeneck 

 

 

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Grenzstein von 1584  (und 1772) im  "Thanner Gehag" oder auch "Thanner Brand" 

an der Straße zwischen Fleckhaus und Letten; 

nach fünfjähriger Suche an Ostern 2007 endlich gefunden und am 23. Juni 2007 mit Axel neu gesetzt.

 

 

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Ein ca. ein Meter langer Stein, das 23. Hauptmarch auf dem südöstlichen Nebengipfel des Brandkopf

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Grenzstein am „Krinner Stadel“ im Röhrmoos

„ . . . hinab in das Rehmoos mitten in des Krinners Stadl sindt baider Herrn Wappen eingehackt, auch dabei ist ein großer Stein mit der Jarzahl 1584.“

(Der heutige "Luitpolder"-Hof war im Zeitraum 13. bis 16. Jahrhundert der "Krinner".)

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Am Hohen Zwiesler: Hebscheidt, Abtstab und die Jahreszahl 1774  ca. 100  Schritt (72 m) und ca. 30 Höhenmeter nördlich, unterhalb des Gipfels, westlich der forstlichen Grenzmarkierung, an einer markanten, moosigen und verwitterten Felsplatte.

1699 heißt es: „in der Wandt under dem Grat des Rauchenberges di alte Jahrzahl nicht mehr sichtig, zu renovieren.“

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Das Hauptmarch am Schronbach, 200 m westlich der Schronbach - Alm, am Weg zu den Schronbachgumpen (Naturdenkmal)

1699 wird protokolliert: „Das 9. Hauptmarch gleich beim Schronbach ein großer stain, die Jahrzahl 651 mit der Hirschstang und den Abbstab sichtig angefunden.“ Die zunächst fehlende "1" ist wohl 1720 (gleiche Form) hinzugefügt worden.

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Grenzstein 500 m SSO der Niedersalm am Sattel zwischen Schindelberg und Niederskopf.

Jahreszahl und das Hebscheidt sind etwas grob gehauen. Der Abtstab ist zweimal vorhanden, wobei der rechte, da auf der falschen - Isarwinkler -  Seite, teilweise weg geschlagen wurde.

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Das Hauptmarch im Seibertsgraben, 50 m oberhalb der Einmündung in den Staffelgraben

 

Noch nicht gefundene Grenzsteine und Felsmärcher

Die alten Grenzmarkierungen wurden vornehmlich an Bäumen - Tannen, Fichten und Buchen - angebracht. Sie waren also vergänglich und sind heute nicht mehr erhalten.

Nur an ca. 22 sehr markanten Stellen im Gelände und auch dort wo, Felsen oder Felswände eine dauerhafte Markierung zuließen, wurden Jahreszahlen und „beider Herren Wappen“ in den Stein gehauen.

Sechs dieser Felsmärcher zwischen dem Stallauer Weiher und dem Staffelgraben waren dem jeweils örtlichen Alm- und Forstpersonal bekannt. Weitere zehn Märcher wurden inzwischen von mir neu entdeckt und restauriert.

Doch ca. sechs Grenzmarkierungen schlummern entweder noch unter Moos, Geröll und neuen Wegen oder sind schon dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Mögliche Fundstellen sind im Bereich der Gossenhofer Alm, am  „Sattel“ oberhalb der Melchersteffl-Alm, der Ahornkopf, am „Schöffmannsweg“ im Schwarzenbach-Tal, am Schronbach ein zweiter Stein und in einer Wand am Falkenberg.

 

Herrschaftliche Zuordnung und Deutung des "Hebscheidts"

Auf den Grenzsteinen und Felsmarchen sind immer „beider Herren Wappen eingehauen“. Der doppelte Abtstab als Zeichen des Klosters Benediktbeuern hat seinen Ursprung im Doppelkloster für Männer und Frauen. Das Frauenkloster war zunächst  ab dem 8. Jahrhundert in Kochel, später bis ins 14. Jahrhundert auf der Nordseite des Männerklosters in Benediktbeuern gelegen. Die Darstellung des doppelten Abtstabes variiert mit Krummstäben nach innen oder nach außen. Bei den Gravuren von 1584 sind die Schaufeln der Krummstäbe meist nur punktförmig.

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Gegenüber den „Abtstäben“ des Klosters Benediktbeuern steht ein Zeichen auf der Isarwinkler Seite, das an den verschiedenen  Standorten wechselnde Ausprägungen hat.

Die Richtung der zwei oder drei Querstriche zeigt häufig, aber nicht immer auf die Isarwinkler Seite.

Die Querstriche sind meist schräg nach oben gerichtet. Am Murnerbach und am Vogelkopf (1715) sind sie nahezu horizontal.

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Murnerbach

Schronbach

Seibertsgraben

 

Häufig, aber auch nicht immer, stehen drei senkrecht angeordnete Punkte neben dem senkrechten Balken des Zeichens. Sie markieren nicht die Grenze. Am Vogelkopf (1715) finden sich drei Punkte zwischen den Strichen nach rechts. Am Murnerbach sind es drei kleine Kreise zwischen den horizontalen Strichen nach links. 

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Hoher Zwiesler

Vogelkopf 1584

Vogelkopf 1715

 

 

Auf einer Karte des Klosters Benediktbeuern aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (2009 ausgestellt im Stadtarchiv Bad Tölz) habe ich die Darstellung von solchen drei kleinen Kreisen an der Grenze des Klosters unterhalb des Heimgartens/oberhalb des Eschenlainetals entdeckt.  

 

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Ausschnitt einer Karte des Klosters Benediktbeuern 

aus dem frühen 18. Jahrhundert  (Stadtarchiv Bad Tölz)

mit der Darstellung von drei kleinen Kreisen im Grenzverlauf

vom Heimgarten südlich hinab zur Grieslaine

 

Ob hier ein Zusammenhang mit den Kreisen/Punkten des „Hebscheidts“ besteht, wird zurzeit  mit der erbetenen Unterstützung des „Historischen Seminars für Historische Grundwissenschaften“ in München zu klären versucht.   

 

Darüber hinaus erfährt das Zeichen im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Bezeichnungen.

Herzog Wilhelm hatte im August 1584 „Grenzsäulen“ mit dem Bayerischen Wappen auf der einen Seite und den Abtstäben des Klosters auf der Gegenseite angeordnet.

In der „Gränz- und Marchbeschreibung von 1580 bis 1783“ [7][1] wird 1584 das Wappen auf der Isarwinkler Seite  als „Hebscheidt“ bezeichnet. 1593 heißt es : „ist ein stain mit dem Bayerischen und Closters Benediktbeyrischen Wappen gesetzt.“

Auch in folgendem Ausschnitt aus dem Vertrag zwischen dem Churfürstlichen Gericht Tölz und dem Hofmarksgericht Benedictpeyrn[8] von 1584 (StAM 11448) heißt es:


„ in bedeuter stainernen Säul das Tölzische Wappen ein Hebscheidt, dann nitweniger das Benedictpeyrische Zaichen als nemblichen zwen Abbststäb eingehauen gewest,“

Ebenso zeigt folgende Textstelle aus dem Vertrag LG Tölz – Kloster Benediktbeuern von 1584, StAM 11446, , dass offensichtlich ein Zeichen verwendet wurde, das man vom „fürstlich bayerischen Wappen“ herleiten muss:

 


„daran das fürstlich Bayrische und des Gotz-

haus Benedicten Peüern Wappen gehauen,

auf gleichen Costen, miteinander besucht,“

 

In den Beschrieben des 17. und 18. Jahrhunderts wird das Zeichen als „des Landgerichts signum“ bezeichnet oder als „die Hirschstang“. Die Ähnlichkeit mit einer Hirschabwurfstange ist bei manchen Darstellungen nicht zu verleugnen, aber die „Hirschstange“ hat keinen Bezug zu Bayern oder Tölz und ist begrifflich 200 Jahre jünger als das „Hebscheidt“.

Die herrschaftliche Zuordnung kann sich nur auf die bayerischen Herzöge (gemäß Herzog Wilhelms Befehl von 1584) oder deren Land- und Pflegegericht Tölz beziehen.

Heydenreuter stellt in bereits erwähnter Schrift[9] über Grenzen fest, daß „bei innerbayerischen Grenzen... grundsätzlich keine Landeshoheitszeichen verwendet“ wurden. „Man begnügte sich ... mit dem Wappen..., des Klosters oder der jeweiligen Stadt beziehungsweise auf landesherrlicher Seite mit dem Hinweis auf das Zuständige Landgericht.“ So wurde z. B. die Buchstabenkombinationen L. M. und  L. W.  für die Landgerichte Murnau und Weilheim gebraucht.[10] Sie ist heute noch auf Grenzsteinen in dem Raum erkennbar. Dagegen sind Grenzsteine des Landgerichts Tölz mit  den Buchstaben L. T. oder L. G. T. bisher nicht bekannt geworden.

Die „Grundsätzlichkeit“ des Verzichtes auf landeshoheitliche Zeichen ist für die Grenzen im Isarwinkel zu bezweifeln.

 

Eine schlüssige Erklärung für alle diese Fragen um das „Hebscheidt“  haben bisher weder die lokalen noch die Historiker der Bayerischen Akademie der Wissenschaften geben können. 

Bei der 11. Tagung ober- und niederbayerischer Heimatforscher am 11. Oktober 2003 im Bayerischen Hauptstaatsarchiv machte Prof. Dr. Reinhard Heydenreuter im Rahmen seines ausgezeichneten Vortrages "Auswertung von Grenzbeschreibungen, Grenzkarten und Grenzsteine als Quellen der Heimatgeschichte" einen Versuch der Deutung und Zuordnung des Begriffs "Hebscheidt"  in  Richtung "Hieb"-Scheidt. Also ein March, das mit dem Hieb der Axt geschlagen die Grenze markiert. Diese "einfache" und durchaus nahe liegende Deutung berücksichtigt aber nicht die Beschreibung nahezu aller Märcher, in der es immer heißt, wie am Beispiel des 19. Hauptmarchs auf dem Langen Eck: "sind baider Herrn Wappen sambt der Jarzall 1584 in einem grossen stain  verzeichnett." Oder auf dem sant Jörgen perg (Vogelkopf): sind baider Herrn Wappen nemblich der Abbstab sambt dem Hebscheidt ... eingehauen."  Das Hebscheidt steht demnach für einen "Herren".  Doch für welchen? 

Inzwischen hat Prof. Dr. Heidenreuther am 21.10.2006 eingeräumt, daß es sich wahrscheinlich „um das Zitat eines bayerischen Wappens“ handelt.

 Im folgenden mache ich den Versuch einer herrschaftlichen Zuordnung des "Hebscheidts".

Dazu wurden die Wappen der frühen führenden Familien des Isarwinkels vergeblich überprüft. Weder die Herren von Reginried, von Hoheneck und Hohenburg, noch die Schellenberger und die Herren von Tollenz oder die Wappen der späteren Pfleger von Tölz lassen irgendeinen Zusammenhang erkennen. Auch die zweimal drei Winkel im Wappen der Maxlrainer, zeitweise Herren von Hohenburg, entsprechen nicht dem Hebscheidt; darüber hinaus geht die Verbreitung des Hebscheidts vom Stallauer Weiher bis zum Staffelgraben weit über den Hoheitsbereich der Hofmark Hohenburg hinaus.

Allein das Wappen der Wittelsbacher aus der Zeit seit dem 14. Jahrhundert gibt mit dem bayerischen Löwen im schwarzem Feld einen möglichen Anhalt für eine Erklärung des Hebscheidts. Dabei muss berücksichtigt werden, dass bis 1603 auf bayerischen Grenzsteinen entweder die Vierung oder nur der Löwe eingehauen wurde. Erst danach erscheint im ersten Feld die Raute. Die ersten bekannten Darstellungen des Hebscheidts stammen aus dem Jahr 1584, also genau der Zeit, in der der Löwe auf Grenzsteinen Verwendung fand. 

 

 

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Ausschnitt aus dem Bayerischen Wappen im Foyer des Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München

Ausschnitt aus einem Wappen der Wittelsbacher auf der Blutenburg von 1491

Ausschnitt aus dem B. Wappen an der Marmortafel am Kesselberg von 1492[11]

Da auf Grenzsteinen die  Wiedergabe des gesamten Löwen auf innerbayerischen Grenzsteinen sicherlich als zu großer Aufwand beurteilt wurde, hatte man sich wohl zu einem "vereinfachten" Wappen entschlossen  und dazu einen leicht darstellbaren Teils des Wappens ausgewählt.

Der Schweizer Adrian Frutiger[12][1], einer der bedeutendsten Typographen des 20. Jahrhunderts zeigt in seinem Buch „Der Mensch und seine Zeichen“ ein Hausmarch aus dem Mittelalter – allerdings ohne weitere Zuordnung - , das dem Hebscheidt und dem Schweif des Löwen verblüffend ähnlich sieht.

 

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Der Schweif des Löwen bietet sich zur Reduktion auf eine "einfache" Grafik geradezu an: 

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Das Hebscheidt

als Reduktion des Bayerischen Löwen auf  eine einfache, auch als Grenzmarch zu verwendende Grafik

 

Die ersten Kommentare Münchner Historiker auf diese augenfällige und nahe liegende Umsetzung des Bayerischen Löwen in eine einfache, runenähnliche Grafik waren mit „abwegig“ und „weniger wahrscheinlich“,  denn  „dann müßte dieses Zeichen auch anderswo zu finden sein“ eher ernüchternd.

Ein Kommentar ordnet das Hebscheidt sogar dem Kloster Benediktbeuern zu, da in manchen Grenzbeschreibungen formuliert ist: „sind der Abbstab samt dem Hebscheidt eingehaut.“ Das „samt“ ist m. E. nicht als Begriff der Zuordnung, sondern als Verbindungswort wie ein „und“ zu bewerten. Heißt es doch auch immer wieder: „sind beider Herren Wappen samt der jarzahl verzeichnet.“

Zudem werden die Beschreibungen außer Acht gelassen, die „beider Herren Wappen“ oder „den Abbstab und des Landgerichts Signum“ erwähnen.

Warum sollten auch bei Kennzeichnung einer Grenze auf der einen Herrschaftsseite zwei Zeichen und auf der anderen  kein solches in den Fels gehauen sein? Das würde dem Sinn einer Grenzmarkierung mit der Abgrenzung und Nennung beider Seiten widersprechen. So sind an anderen Grenzabschnitten der Klostergrenze Benediktbeuerns „Drei Rosen“ für die Grafschaft Werdenfels, „CED“ (Closter Ettal Dominium) für Kloster Ettal und der „Kelch“ für das Kloster Schlehdorf  gegenüber dem Abtstab in den Fels gehauen. Auf jedem Stein finden wir die Zeichen beider Grundherren.

Der Umstand, daß das „Hebscheidt“ oder dieses besondere „Signum des Landgerichts Tölz“ bisher nicht an anderen Grenzabschnitten des LG Tölz (zum Beispiel auf der Tegernseer Seite oder gegenüber Tirol; bei letzterem ist in der Regel in die Grenzsteine das Bayerische Rautenwappen eingehauen)  nachgewiesen werden konnte, schließt die Zuordnung zum Landgericht Tölz nicht aus.

Die Ablehnung eines Zusammenhanges zwischen dem „Hebscheidt“ und dem Schweif des Bayerischen Löwen allein wegen fehlender Bezugsfälle ist wenig überzeugend.

Inzwischen ist eine größere Zahl professioneller und hobbymäßiger Historiker über diese Fragestellung orientiert. Prof. Dr. Wilhelm Volkert aus München kommentiert die Situation wie folgt: „jetzt müssen wir auf den Kommissar Zufall warten, der die Lösung bringt.“ 

Der Begriff "Hebscheidt" ist in den Nachschlagewerken der deutschen Sprache ebenso wenig erwähnt wie im "Zedler" (wichtigste deutsche Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts) oder im "Schmeller" (Bayerisches Wörterbuch von Andreas Schmeller 1872). Vielleicht sind aber folgende Überlegungen nicht ganz abwegig.

Die ursprüngliche Ableitung dieses Zeichens vom Wittelsbacher Wappen mag bald in Vergessenheit geraten sein, und es wurde ein begrifflicher Zusammenhang mit einem Werkzeug oder Hilfsmittel der damaligen Zeit hergestellt. 

Prof. Dr. Ing. Jost Knauss aus Kochel, der die historischen Grenzen an Walchen- und Kochelsee erforscht, vermutet in dem „Hebscheidt“ die Darstellung eines Zaunpfahls mit seitlichen Abzweigungen zur Aufnahme von quer liegenden Stangen.

Eine Ähnlichkeit mit den „Stankern“ zur Heutrocknung ist ebenfalls gegeben.

Herr Borgmann vom Freilichtmuseum Glentleiten schließt nicht aus, daß das Hebscheidt als "Faulenzer" beim Dengeln der Sensen Verwendung fand. Es hielt den Sensenstiel und passte durch verschiedene Höheneinstellungen das zu dengelnde Sensenblatt der jeweiligen Krümmung an. Dadurch war sichergestellt, daß das Blatt mit seiner Schneide in idealer Weise auf dem Dengeleisen auflag. 

Hans Schober, Heimatforscher aus Mittenwald, bestätigt nach Recherchen bei Mittenwalder Fuhrleuten und Wagnern meine anfängliche Vermutung. Das „Hebscheidt“, ein Holz, das etwas "hebt" = hält, war ein starkes Stück Holz mit mehreren Astabzweigungen oder schräg bzw.  im rechten Winkel eingearbeiteten Querhölzern oder auch Eisenstiften. Es war der hebende Teil des vornehmlich von Fuhrleuten und Wagnern  benutzten Wagenhebers, wie er noch in zahlreichen Exemplaren im Fundus des Freilichtmuseums Südbayern auf der Glentleiten bei Großweil aufbewahrt wird.[13][6]

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Wagenheber aus dem Fundus des Freilichtmuseums auf der Glentleiten

Das Hebscheidt als „hebender“= haltender Teil des Wagenhebers

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Darstellung des „Hebscheidts“ auf dem Grenzstein

 am Vogeleck oberhalb Arzbach

  

In der Oekonomischen Encyklopädie des Johann Georg Krünitz (1773-1858) (www.kruenitz1.uni-trier.de) ist die „Hebe-Leiter“ erwähnt, „ein Name, welchen an einigen Orten die Fuhrmanns- oder Wagen-Winde führt, weil sie einer kurzen Leiter nicht unähnlich ist.“

Diese alte  Erklärung wird bestätigt durch Dipl. Ing. Arno Kurz, Leiter des Technischen Holzmuseums Rosenheim. Er wird weiter gestützt durch den BegriffHebsäule“ (oder „Baumheber“)[14][7]. Ein Gerät, das o. a. Funktionen erfüllte und im Niederbayerischen Landwirtschaftsmuseum in Regen ausgestellt ist. Vielleicht hat das Hebscheidt auch beim durch Tölz führenden Salzhandel seine besondere Bedeutung gehabt?

Im 18. Jahrhundert hat sich die Bezeichnung erneut gewandelt. Das „Hebscheidt“ wurde in der Praxis durch neuere Erfindungen ersetzt und ging auch begrifflich total verloren. In den Grenzbeschreibungen taucht „die Hirschstang“ auf, die mit dem ursprünglichen Wappen ebenso wenig zu tun hat wie vorher das Hebscheidt.  

Eine völlig andere Bezeichnung wurde in einem Protokoll über eine Grenzbegehung am Stallauer Weiher vom 11. Oktober 1770 gefunden. Dort heißt es: „. . . linkerseits Tölz zu dem Churfürstlichen Bockhelwappen mit der 1767 eingehauenen Jahrzahl, ... .“  Das wirft neue Fragen auf, denn auch für den Begriff „Bockhel“ geben bisher Zedler und Schmeller keine stichhaltigen Lösungen. Allerdings nennt Riepl den „Böckelrechen bzw. Bockrechen“ als Rechen für die Getreide- oder Flachsernte mit ca. 30 cm langen Zähnen.[15]  Die Ähnlichkeit mit einem Rechen ist durchaus gegeben.

„Hebscheidt“, „des Landgerichts Signum“, „Hirschstang“ und „Bockelwappen“ sind die z. Z. bekannten Umschreibungen dieses Zeichens auf der Isarwinkler Seite, dessen Anbringung vom Bayerischen Herzog 1584 angeordnet worden war. Innerhalb von 200 Jahren wurden somit mindestens vier verschiedene Begriffe benutzt.

Diese Hebscheidt-Frage beschäftigte schon im Zeitraum 1921 [i][8] - 1947 [ii][9] Josef Noderer, der ebenfalls mit und ohne Erfolg die Grenzsteine erforschte und leider vergeblich einen alten Grenzstein am Heubach  zwischen Oberbuchen und Allhofen suchte, der 1875 beim Bau eines Stadels auf der Wullerau gesprengt und  im Fundament eingemauert worden war. 

Noderer beschrieb das Hebscheidt als „ein Zeichen wie ein nach links gewendetes  F“. Er bezog sich wohl hauptsächlich auf die ‚leicht erreichbare’ Darstellung am Stallauer Weiher. Die meisten Zeichen im abseits gelegenen Gebirgsgelände haben sehr wenig mit Noderers Deutung gemeinsam.

Auch Dr. Höfler erwähnt das Hebscheidt in seinem „Führer durch Bad Tölz und Isarwinkl“ ohne weitere Erklärung.[iii][10]

Deshalb meine Frage und Bitte an die historisch interessierte Öffentlichkeit:  Wer kann o. a. Zuordnung und Deutung des Hebscheidts ggf. bestätigen oder meint, er müsste diese verwerfen? Ich bin für jede Anregung dankbar und  bitte um Verbindungsaufnahme  mit mir  jost at gudelius.de 

Die historischen Grenzsteine und Felsmarchen zwischen dem Klostergericht Benediktbeuern und dem Landgericht Tölz sind m. E. wertvolle Zeugen der wechselvollen Geschichte dieses Raumes, die unter Denkmalschutz gestellt werden sollten. Deshalb hat das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz im Jahr 2003 ein Exemplar dieser Dokumentation erhalten. Es rang allerdings sieben Jahre mit sich selber um die Entscheidung, ob Grenzsteine und Felsmärcher  den „Bodendenkmälern“ oder den „Baudenkmälern“ zuzuordnen sind. 2010 ist diese Entscheidung endlich zu Gunsten der „Baudenkmäler“ gefallen. Seitdem sind sie als Denkmäler gelistet und auch im Bayern-Viewer Denkmal http://www.geodaten.bayern.de/tomcat_files/denkmal_start.html  online aufrufbar.

Besonderer Dank gilt Georg Egger (1923 - 2005) vom "Bichler Kassl" in Jachenau – Hinterbichl, der den entscheidenden Anstoß gab und diese Arbeit  mit seinem Archiv und seinem umfangreichen Wissen immer unterstützte sowie Pater Leo Weber vom Kloster Benediktbeuern für seine hilfreichen Auskünfte zu Benediktbeurer Quellen.

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Quellen: (wegen der "Schwierigkeiten mit der Technik" etwas durcheinander und nicht vollzählig - in der gedruckten Form korrekt.).

[1] Weber Leo, Kloster Benediktbeuern, Hoheits-, Wirtschafts- und Kulturzentrum seit dem frühen  8. Jahrhundert im Pfaffenwinkel, Regensburg 2003, S. 4.

[2]  BHStA Kl. Benediktbeuern 174

[3]  Chronik, B. Buran.  II. P. 80 und I. c.

[4]  Rätselhafte „Runen“ im Fels, Tölzer Kurier vom 2./3. Okt. 2002

[5] BHStA KL Benediktbeuern 28 1/3

[6] Frutiger, Adrian, Der Mensch und seine Zeichen, Wiesbaden 2006.

[7]Schober Hans, Mittenwald, mdl. Auskunft am 15. November 2003.



[1][2] BayHStA,  KL Benediktbeuern Nr. 8.

[2][3] Bauer Reinhard, Die ältesten Grenzbeschreibungen in Bayern, in Die Flurnamen Bayerns, Heft 8,  München 1988  S. 179.

[3][4] Ebda. S. 184 sowie Traditionen Benediktbeuern Nr. 132.

[4][5] Im Jahr 1515 künstlich angelegtes,  67 Tagwerk großes Fischwasser. 

[5][6] Zum Huosigau ist auch immer das Kloster Benediktbeuern gerechnet worden. Diese Zugehörigkeit wird allerdings bestritten (L. Holzfurtner). 1065 ist Benediktbeuern in einer gefälschten Urkunde  als zum Sundergau gehörend bezeichnet. (Katzameyer, J., in  „Lenggries“, Lenggries 1989, S. 62.

[6][7]  Westermayer, Chronik von Tölz 1893/1976, S. 27.

[7][7] Häring, Georg, Alte Begriffe und Ausdrücke aus dem Sprachgut der Landwirtschaft des Gäubodens, Straubing 1977, S. 47 u. 48

[8] StA München 11448, S.7

[9] Heydenreuter, Reinhard, zur Rechtsgeschichte der Grenze: Grenzbeschreibungen, Grenzkarten und Grenzsteine als historische Quellen in: Forum Heimatforschung, Heft 9, München 2004, S. 113.

[10]

[11] Fotoausschnitt vom Original im Bayerischen Nationalmuseum, München.

 

 

 

 



[8] Noderer J., Die alte Grenze Tölz-Benediktbeuern in „Bayerischer Heimatschutz“ vom 8.12.1921, S. 98 – 99.

[9] Noderer J., Alte Haus- und Holzmarken im Isarwinkel in Demleitner-Festschrift, Beilage zu „Der Familienforscher in Bayern, Franken und Schwaben“ 1953 – 1956, S.  69 –71.

[10] Hoefler, Führer durch Bad Tölz und Isarwinkl, 9. Aufl. 1924, S. 134, 127 und 164.

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